Das Studio MAPPA hat nach sechs Jahren Funkstille endlich die wahren Gründe für die lange Wartezeit auf die zweite Staffel von Dorohedoro offengelegt. Während des Anime-Central-Events erklärten Regisseur Yuichiro Hayashi, Kreativproduzent Yusuke Tannawa und Animationsproduzent Koya Okamura, wie Branchenriesen das Projekt verzögerten, welche Auswirkungen das Ende der Zensur beim Streaming hatte und wie entschlossen das Studio in Bezug auf Künstliche Intelligenz ist.
Der wahre Grund für die 6-jährige Wartezeit und der Einfluss von Attack on Titan
Viele Fans befürchteten bereits, dass die Adaption des blutigen Mangas von Q Hayashida eingestellt worden sei, doch Regisseur Yuichiro Hayashi versichert, dass die Absicht, die Fortsetzung zu produzieren, bereits seit dem Ende der ersten Staffel bestand. Das große Hindernis ergab sich, als die Branchenproduktionskommission MAPPA das Projekt Attack on Titan: The Final Season übertrug – ein Werk mit extrem hohen technischen Anforderungen, das zudem viel 3DCG einsetzte. Kurz darauf übernahm das Studio auch die zweite Staffel von Vinland Saga.
Um die Reise von Caiman und Nikaido nicht auf Eis zu legen, traf die Studioleitung eine strategische Entscheidung. Das Team entwickelte die Charakterdesigns und visuellen Elemente von Dorohedoro parallel zum Höhepunkt von Attack on Titan über zwei Jahre hinweg. Diese Überlappung ermöglichte es, dass Animatoren von Attack on Titan die Produktion unterstützen konnten, während der Kern der Regisseure und Künstler aus der ersten Staffel intakt blieb. Die wichtigste strukturelle Änderung im Arbeitsablauf war die Auslagerung der Hintergrundkunst an die spezialisierten Studios Studio Easter und MOA Studio.
Ende der TV-Zensur bringt ungefilterte Gore-Szenen und Hommagen an Silent Hill
Trotz Gerüchten im Internet, dass die neue Staffel von 3D auf traditionelles 2D umgestiegen sei, stellte Produzent Yusuke Tannawa klar, dass das Verhältnis zwischen den beiden Formaten weitgehend gleich geblieben sei. Der große visuelle Unterschied, den das Publikum wahrnehme, sei auf die geänderte Ausstrahlung zurückzuführen: Ohne die Beschränkungen durch die Zensurrichtlinien der japanischen Free-TV-Sender konnte das Studio beim Streaming die gesamte ursprüngliche Gore- und Gewaltdarstellung des Werks umsetzen.
Regisseur Hayashi betonte, dass die Freiheit es ermöglicht habe, die von der Autorin Q Hayashida geforderte Brutalität exakt umzusetzen. Die Sequenz, in der die Figur Ebisu in zwei Hälften geteilt wird, veranschauliche das neue Maß an anatomischer Detailtreue. Als Liebhaber von Horrorfilmen habe Hayashi direkte Referenzen an Klassiker des Genres eingebaut und nannte die Spielereihe Silent Hill von Konami als seine wichtigste visuelle und atmosphärische Inspiration für die Schauplätze der Chaos-Welt.
Soundtrack mit 60 neuen Titeln und Stand der Adaption von Dai Dark
Die musikalische Identität des Anime blieb der Partnerschaft mit der Gruppe (K)NoW_NAME treu, die von der Musikabteilung des Distributors TOHO erneut eingeladen wurde. Das Kollektiv komponierte in nur vier Monaten zwischen 50 und 60 neue Titel und erhielt die aktualisierten Storyboards des Studios, um jede Note auf die rasante Atmosphäre der Erzählung abzustimmen.
Mit der Fertigstellung der Fortsetzung kamen Fragen auf, ob MAPPA auch Dai Dark adaptieren könnte, eine weitere Science-Fiction- und düstere Comedy-Serie von Q Hayashida. Das Team zeigte große Wertschätzung für die Geschichte, bestätigte jedoch, dass es derzeit weder die operative Kapazität noch freie Zeitpläne habe, um einen weiteren Titel der Autorin zu übernehmen.
Umstrukturierung gegen Crunch und klares Nein zum KI-Einsatz in der Kunst
Das Management von MAPPA, das in der Vergangenheit für Kontroversen über übermäßige Arbeitsbelastungen in der Anime-Branche bekannt war, nutzte das Panel, um interne Veränderungen zur Verbesserung des Team-Wohlbefindens zu erläutern. Das Studio hat sein festangestelltes Team erweitert und eine Regel eingeführt, dass jeder Animator jeweils nur an einer großen Produktion arbeitet, um zu verhindern, dass Fachkräfte ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Projekte gleichzeitig verteilen müssen.
Zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Animation bekräftigte das Studio den Hinweis aus dem Abspann von Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc, der die Nutzung ihrer Werke zum Training generativer Modelle verbietet. Tannawa versicherte, dass das Studio niemals KI einsetzen werde, um Bilder, Hintergrundkunst oder visuelle Konzepte zu erstellen. Das Interesse an der Technologie beschränke sich ausschließlich auf bürokratische und administrative Automatisierungen zur Optimierung der menschlichen Produktionslinie.