„Mit wie vielen trans Personen arbeitest, studierst oder lebst du zusammen?“
Für die meisten Menschen lautet die Antwort auf diese Frage „mit keiner“. Der Grund für diese Antwort gibt Anlass zum Nachdenken – besonders heute, am 29. Januar, dem Tag der Trans-Sichtbarkeit.
LGBTQ-Themen gewinnen in gesellschaftlichen Debatten und folglich auch im Fernsehen immer mehr an Bedeutung. Trotz dieser Fortschritte ist der Weg noch lang – insbesondere für transsexuelle und transgender Personen, die in allen gesellschaftlichen Bereichen noch stärker unsichtbar gemacht und zum Schweigen gebracht werden als Schwule und Lesben – oft sogar innerhalb von Bewegungen, die vorgeben, ihre Rechte zu verteidigen. Neben dieser Unsichtbarkeit existiert Transphobie: Obwohl Transphobie in Brasilien mittlerweile unter Strafe steht (wo es juristisch als Gleichstellung mit Homophobie gewertet wird), ist das Land nach wie vor Spitzenreiter bei den weltweiten Mordraten an trans Personen.
Angesichts dieser Herausforderungen kämpfen verschiedene Initiativen für die Rechte von transgender Personen. Auch wenn das Thema mancherorts noch zurückhaltend diskutiert wird, gewinnt es durch YouTuber und verschiedene TV-Produktionen an Raum, die versuchen – wenn auch manchmal oberflächlich – die Realität von trans Menschen darzustellen. Um den Tag der Trans-Sichtbarkeit zu würdigen, haben wir hier einige trans Charaktere zusammengestellt, die Teil bekannter TV-Serien wie **Orange Is The New Black** und **Transparent** waren und sind. Denn dieser Tag verdient Aufmerksamkeit – und das Thema muss thematisiert werden, wie wir bereits zuvor bei Pixel TV betont haben.
#### **Linda Murkland (All That Glitters)**

**All That Glitters** war die erste TV-Produktion in den USA, die eine transsexuelle Figur zeigte. Die Soap aus dem Jahr 1977 erzählte vom Alltag des fiktiven US-Konzerns Globatron und stellte eine Satire auf klassische Geschlechterrollen dar: Frauen dominierten die Arbeitswelt, während Männer objektifiziert wurden. In der Handlung suchen die Globatron-Managerinnen ein Model für ihre neue Kampagne – und dieses Model ist Linda Murkland, eine trans Frau.
Linda wurde von Linda Gray, einer cis Frau, verkörpert. Als allererste Darstellung einer transsexuellen Person im Fernsehen besitzt die Rolle dennoch eine große historische Bedeutung für die Sichtbarkeit von trans Menschen.
#### **Sophia Burset (Orange Is The New Black)**

Sophia (Laverne Cox) ist eine der Insassinnen der Frauenhaftanstalt Litchfield in der Netflix-Serie **Orange Is The New Black**. Im Laufe der Handlung leidet die Figur – als einzige transsexuelle Insassin – unter transphoben Übergriffen durch Mitgefangene und das Gefängnispersonal. Der Höhepunkt der Transphobie gipfelt in der dritten Staffel: Nach einer Auseinandersetzung verbreitet die Insassin Aleida (Elizabeth Rodriguez) transphobe Gerüchte über Sophia. Dies führt zu heftigen Anfeindungen durch andere Gefangene, woraufhin Sophia zu ihrem eigenen „Schutz“ in Einzelhaft gesteckt wird, aus der sie verzweifelt auf verschiedenen Wegen zu entkommen versucht.
Sophia wird von der Schauspielerin Laverne Cox dargestellt, die wie ihre Rolle eine trans Frau ist und als erste transsexuelle Person überhaupt für einen Emmy nominiert wurde. Im vergangenen Jahr spielte Laverne zudem die klassische Queer-Rolle des Dr. Frank-n’-Further (ursprünglich verkörpert vom cis Mann Tim Curry) in der Fox-Adaption des Musicals *Rocky Horror Picture Show*.
#### **Nomi Marks (Sense8)**

Mehr als nur die gesellschaftliche Integration einer transsexuellen Person in einer fiktiven Welt zu behandeln, zeigte **Sense8** die Relevanz dieser Repräsentation in der Realität, indem die trans Schauspielerin Jamie Clayton besetzt wurde. Als eine der Hauptfiguren spielt Clayton die ebenfalls transsexuelle Nomi, die unter doppelter Diskriminierung leidet, da sie trans und lesbisch ist. Sie nutzt ihre Fähigkeiten als Hackerin und Bloggerin, um Gleichberechtigung zu fördern und ihre Leser dazu zu ermutigen, zu sich selbst zu stehen. Bemerkenswert ist, dass die Herausforderungen von Nomi auch eng mit den Erfahrungen der Serienschöpferinnen Lilly und Lana Wachowski verknüpft sind, die früher als Andy und Larry bekannt waren.
#### **Cole (The Fosters)**

Die von ABC Family produzierte US-Serie **The Fosters** feierte 2013 Premiere. Die Handlung dreht sich um eine Regenbogenfamilie, geführt von der Polizistin Stef (Teri Polo) und der stellvertretenden Schulleiterin Lena (Sherri Saum). Gemeinsam ziehen sie vier Adoptivkinder und Stefs biologischen Sohn groß. Die transsexuelle Figur Cole wird vom – ebenfalls transsexuellen – Schauspieler Tom Phelan gespielt. Cole wird als Freund von Callie Jacob (Maia Mitchell) eingeführt, nachdem sich die beiden in einem Mädchenheim kennenlernen, in dem Callie nach ihrer Flucht aus einer Pflegefamilie untergebracht ist (hier wird der Mangel an Akzeptanz durch staatliche Institutionen deutlich: Cole wird trotz seiner Geschlechtsidentität in einem Mädchenheim untergebracht). Cole wird später zu einem wichtigen Wegbegleiter für Callie. Die Serie zeigt alltägliche Diskriminierung, etwa wenn Cole versucht, die Herrentoilette zu nutzen, und herausgeworfen wird. Von einer zunächst aggressiven Abwehrhaltung entwickelt sich Cole zu einer verletzlicheren Figur, die ihre wahre Geschichte offenbart. Seine Rolle erstreckte sich über 10 Folgen in den Jahren 2014 und 2015.
#### **Noah (Faking It)**

**Faking It** ist eine Teenie-Serie, die LGBTQ-Themen stets sehr sensibel behandelte, während die Hauptfiguren die Wirren der eigenen Identitätsfindung durchlebten. Nachdem bereits schwule, lesbische, bisexuelle und Asexuelle Charaktere beleuchtet wurden, ging die Serie in der dritten Staffel noch einen Schritt weiter: Mit Elliot Fletcher wurde ein trans Mann für die Rolle des trans Jugendlichen Noah besetzt, der das Herz von Shane durcheinanderwirbelt. Ein großer Pluspunkt für MTV, dieses Thema so selbstverständlich in einer Jugendserie zu platzieren.
#### **Unique Adams (Glee)**

Seit ihren Anfängen war die Musical-Serie **Glee** dafür bekannt, Vielfalt und das Schicksal von Außenseitern zu thematisieren. Erst mit dem Auftauchen von Unique (Alex Newell) in der 4. Staffel rückte jedoch die Lebensrealität einer trans Person in den Mittelpunkt. Unique ist das Alter Ego von Wade Adams, der sich erst dann ganz als er selbst fühlt, wenn er Frauenkleider trägt und mit dem Pronomen „sie“ angesprochen wird. Diese Selbstfindung setzt die Figur jedoch enormen Anfeindungen aus – beispielsweise wird sie sowohl auf der Damen- als auch auf der Herrentoilette schikaniert. Gleichzeitig zeigt die Serie, wie entscheidend der Rückhalt durch Freunde und der gemeinsame Kampf gegen Vorurteile für die eigene Akzeptanz sind.
#### **Buck Vu (The OA)**

„Ich habe es in der Schule extrem schwer, weil ich gerne schauspielern würde, aber Schultheaterstücke keine Rollen für jemanden wie mich haben. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie es war, online eine Netflix-Ausschreibung zu sehen, die genau mich beschrieb“ – dies waren die Worte von Ian Alexander, aufgenommen auf einem Telefon im heimischen Badezimmer. Ians Audition wirkte so authentisch, dass er den Zuschlag für die Netflix-Serie **The OA** erhielt. Monate später wurde der damals 14-Jährige zu einer der Entdeckungen des Sci-Fi-Dramas. Ian spielt Buck Vu, einen asiatisch-amerikanischen trans Jugendlichen, der wie die anderen von Prairie (Brit Marling) rekrutierten Teenagern seinen Platz in der Welt sucht. Marling erklärte in einem Interview mit Vulture, dass die Besetzung kein Zufall war: Buck sei von Anfang an als asiatischer trans Teenager geschrieben worden. Einen passenden Schauspieler zu finden, war reine Fleißarbeit, da trans Darsteller in klassischen Casting-Agenturen selten vertreten waren, woraufhin das Team im Internet suchte. Der Erfolg gab ihnen recht: Ian Alexander landete seine erste Rolle und unterstrich, wie wichtig Repräsentation für das Verständnis von trans Identitäten ist. Das Besondere an der Figur: Buck ist nicht klischeehaft gezeichnet, leidet in der Schule unter keinem offensichtlichen Mobbing, singt im Chor, ist wortgewandt, feinfühlig und stark. Zu Hause verläuft der Prozess langsamer, da sein Vater die Identität seines Sohnes nicht vollständig akzeptiert – doch auch diese Beziehung befindet sich im Wandel. Deswegen muss sich Buck seine Hormone auf inoffiziellen Wegen besorgen, was ein Schlaglicht auf die medizinische Versorgung von trans Jugendlichen wirft. Insgesamt wird die Entwicklung der Figur sehr behutsam und natürlich dargestellt.
#### **Alexis Meade (Ugly Betty)**

Bereits im Jahr 2007, als sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Fernsehen noch selten thematisiert wurden, ging **Ugly Betty** einen ungewöhnlichen Schritt: Die Serie zeigte die Transition einer Figur von einem Mann (Alexander) zu einer Frau (Alexis). Vor der Transition war die Figur kaum zu sehen, nahm aber großen Einfluss auf die Handlung. Ihr endgültiger Auftritt folgte in der 13. Folge der ersten Staffel (fortan gespielt von Rebecca Romijn), zunächst ohne Enthüllung ihrer wahren Identität – alle glaubten, Alexander sei gestorben und Alexis eine fremde Person. Erst später kommt die Wahrheit ans Licht.
#### **Max Sweeney (The L Word)**

Die US-Serie **The L Word** begleitet eine Gruppe lesbischer und bisexueller Freundinnen im sonnigen Los Angeles. Inmitten der Beziehungs- und Alltagsgeschichten macht die Figur Moira (Daniela Sea) im Laufe der Staffeln eine geschlechtliche Transition durch und nimmt den Namen Max Sweeney an. Eines der zentralen Themen sind die emotionalen und körperlichen Abschnitte dieser Transition. Moira/Max entwickelt zu Beginn den Wunsch nach einem männlich gelesenen Körper und nutzt Abbindetechniken, um die eigene Brust zu kaschieren. Die von Showtime produzierte Serie lief über sechs Staffeln von 2004 bis 2009.
#### **Maura Pfefferman (Transparent)**

Wenn es eine Serie gibt, in der das Thema Transidentität im absoluten Mittelpunkt steht, dann ist es **Transparent**. Die Amazon-Dramedy erzählt das Leben von Maura – ehemals Mort –, die sich erst im höheren Alter und als dreifache, erwachsene Mutter zu ihrer Transidentität bekennt. Die Serie beleuchtet nicht nur Mauras persönlichen Weg, sondern auch die Auswirkungen auf ihr gesamtes Umfeld. Für die Darstellung der Maura erhielt Jeffrey Tambor zwei Emmys und einen Golden Globe. Dennoch gab es Kritik daran, dass eine cis Person diese Rolle übernahm. Die Serie bot jedoch auch trans Schauspielerinnen wie Alexandra Billings und Trace Lysette bedeutende Rollen.
Während trans Charaktere im US-Fernsehen noch immer unterrepräsentiert sind, gilt dies für die brasilianische TV-Landschaft in noch stärkerem Maße. Bisher gab es dort nur sehr wenige Rollen: Im vergangenen Jahr war Janette in der Serie **Supermax** (Rede Globo), gespielt von der trans Darstellerin Maria Clara Spinelli, die einzige trans Vertretung in einem brasilianischen Serienformat. Eine brasilianische Telenovela von Glória Perez kündigte zwar an, geschlechtliche Vielfalt zu thematisieren, besetzte die trans Rolle jedoch mit einer cis Schauspielerin, was deutliche Kritik hervorrief. Auch wenn das Fernsehen allein nicht ausreicht, um Unsichtbarkeit vollständig zu überwinden, bleibt es entscheidend, diese Debatten weiterzuführen – damit trans Menschen in den Medien sichtbar werden, Vorurteile abgebaut werden und Betroffene mehr Akzeptanz in der Gesellschaft erfahren.
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